Fotogeschichte

Nadar – Fotograf, Multitalent und Pionier

Vor 104 Jahren, am 21. März 1910, wenige Tage vor seinem 90. Geburtstag starb der unter dem Pseudonym Nadar bekannte französische Fotograf Gaspard-Felix Tournachon (06.04.1820-21.03.1910). Nadar war ein Multitalent. Er studierte zunächst einige Semester Medizin, arbeitete als Journalist und beim Theater, betätigte sich als Schriftsteller,  Zeichner,  Konstrukteur, Ballonfahrer und gründete 1849 die Zeitschrift “Revue comique”.
Im Jahr 1854 eröffnete er in Paris sein Atelier für fotografische Porträts. Im Gegensatz zu den meisten Fotografen seiner Zeit verzichtete er bei seinen Arbeiten auf gemalte Kulissen, Dekorationen, Accessoires und Retusche. Nadar setzte seine Modelle durch gekonnte Beleuchtung in Szene, wobei er den Fokus auf Blick, Ausdruck und Körperhaltung richtete. Nadar porträtierte die künstlerische Créme de la Créme seiner Zeit. Zu seinen Kunden gehörten die junge Sarah Bernhardt, Honoré de Balzac, Charles Baudelaire, Franz Liszt, George Sand, Claude Debussy, Alexandre Dumas, Jules Vernes u.a.  Allerdings widmete Nadar sich nicht nur den Porträtaufnahmen. Er stieg auch in die Pariser Katakomben und Abwasserkanäle hinab. Seine in der Pariser Unterwelt mit Langzeitbelichtung entstandenen Aufnahmen sind einmalig.
Berühmt wurde Nadar jedoch durch seine sensationellen Luftaufnahmen, die er im Jahr 1859 aus einem Ballon heraus während der Schlacht von Solferino machte. Mit seinem selbst konstruierten Schraubenluftschiff “Le Géant”, das Jules Vernes zu seinem Roman “Fünf Wochen im Ballon” inspirierte, flog Nadar 1863 von Paris nach Hannover. Bei einer sehr unsanften Landung in Neustadt am Rübenberge wurden Nadar und seine Frau verletzt. Die Luftaufnahmen dieser Reise und die Berichte über weitere Fahrten mit Le Géant veröffentlichte er u.a. in Nouveau système de photographie aérostatique und Mémoires du Géant, à terre et en l’air (1864). Zusammen mit Jules Vernes gründete er eine “Gesellschaft zur Förderung der Konstruktion von lenkbaren Flugmaschinen, die schwerer als Luft sind.”
In der Französischen Nationalbibliothek werden Nadars Fotografien und Archive aufbewahrt.

Hippolyte Bayard – Fotokünstler und Erfinder

Hippolyte Bayard (20.01.1801-14.05.1887, Frankreich) war einer der ersten Fotokünstler und der Erfinder des Direktpositiv-Verfahrens. Bei diesem Verfahren arbeitete er erstmals mit Papier, das er mit Silberchlorid überzog und anschließend dem Sonnenlicht aussetzte, wodurch es geschwärzt wurde. Nach einer weiteren Behandlung mit einer Jod-Kaliumiodid-Lösung wurde das Papier in der Kamera belichtet und Bayard erhielt ein positives Bild, das nur noch fixiert werden musste. Jedes Bild war ein absolutes Unikat, da es bei diesem Verfahren kein Negativ gab, das vervielfältigt werden konnte. Am 24. Juni 1839 veranstaltete Bayard in Paris die wahrscheinlich erste Fotoausstellung der Welt und stellte 30 seiner direktpositiven Papierbilder öffentlich aus. Kurz darauf veröffentlichte die Akademie der Wissenschaften in Paris die Patentschrift von Louis Daguerre, der zur selben Zeit mit lichtempfindlichen Metallplatten experimentiert hatte. Dieses Verfahren, die Daguerreotypie, verbreitete sich in kürzester Zeit über Frankreichs Grenzen hinaus und war überaus erfolgreich. Hippolyte Bayard gelang es deshalb nicht mehr, seine Erfindung zu vermarkten. Trotz dieses Misserfolges gilt Bayard noch heute als einer der Urväter der Fotografie. Er betätigte sich weiterhin als künstlerischer Fotograf. Bekannt sind seine Selbstportraits, besonders sein im Direktpositiv-Verfahren hergestelltes “Selbstportrait als Ertrunkener”, mit dem er sein Scheitern als Erfinder verarbeitete, und seine gekonnt angeordneten, innovativen Stillleben von Gartengeräten. Im Jahre 1977 wurden auf der Documenta in Kassel einige von Bayards künstlerischen Fotoarbeiten gezeigt.

Kamera- und Fotomuseum Leipzig

Das Kamera- und Fotomuseum Leipzig wurde am 19. August 1989 von dem Fotografen und Kamerahistoriker Peter Langner und seiner Frau Kerstin eröffnet.  Es befindet sich in einem 250 Jahre alten denkmalgeschützten Fachwerkhaus. Peter Langner hat in 20jähriger Sammlertätigkeit eine Vielzahl an historischen Kameras (von der kleinen Kompaktkamera bis zur Reprokamera), entsprechendes Zubehör sowie historische Fotografien zusammengetragen. Dadurch kann man die Geschichte der Fotografie von ihren Anfängen bis zur heutigen Zeit anschaulich verfolgen. In der Dauerausstellung “Fotofaszination” päsentiert das Deutsche Fotomuseum, nach dem Umzug ab 28. August 2013 in den Agra-Park nach Markkleeberg, die Geschichte der Fotografie in 14 Abteilungen.  

Daguerreotypie

L.J.M. Daguerre im Jahr 1844

Louis J. M. Daguerre, 1844, Aufnahme von Jean-Baptiste Sabatier-Blot

Im 18. Jahrhundert beginnt die Geschichte der Fotografie. 1839 gelingt es Louis Jacques Mandé Daguerre mittels Silbersalzen fotografische Platten herzustellen. Zur Fixierung benutzte er eine Kochsalzlösung statt Ammoniak. Dieses erste praktikable fotografische Verfahren, aus dem die ersten “Fotografien” entstanden, wurde nach ihm Daguerreotypie benannt. Damit war eine neue Kunstform geboren. Am 14. Juni 1839 verkaufte Daguerre der französischen Regierung die Rechte der ,,Daguerreotypie”. Mit diesem Ankauf machte der Staat die Erfindung der Öffentlichkeit zugänglich und sorgte somit für die schnelle Verbreitung der Fotografie in Frankreich. Daguerre erhielt als Gegenleistung eine lebenslange Rente, mit der er ein gehobenes bürgerliches Leben führen konnte. Daguerre starb am 10. Juli 1851 in Petit-Bry-sur-Marne in Nordfrankreich.

Die Perfektion der Fotografie

Die sehenswerte Dokumentation über den französischen Fotografen Henri Cartier-Bresson (1908-2004) wurde gestern auf ARTE gezeigt. Sein Freund und Landsmann, der Filmemacher Pierre Assouline, lässt Henri Cartier-Bresson, den Mitbegründer der Fotoagentur Magnum, in einer umfassenden 52 Minuten Retrospektive zu Wort kommen.  Die Dokumentation erzählt die Geschichte des Menschen Cartier-Bresson, die untrennbar mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts verbunden ist. Henri Cartier-Bressons Gedanken zu den Bildern und ihrer Geschichte werden in der deutschen Fassung von Martin Umbach gesprochen. Wer die Sendung verpasst hat, kann sich hier den Film anschauen.

Die Geburtsstunde der Fotografie

Die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen  zeigen vom 09. September 2012 bis 06. Januar 2013 eine Sonderausstellung über die Geschichte der Fotografie. Unter dem Titel „Die Geburtsstunde der Fotografie. Meilensteine der Gernsheim-Collection“ sind rund 250 Exponate zu sehen, die einen einzigartigen Einblick in die Fotografiegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts bieten. Gezeigt werden bedeutende Aufnahmen, die sonst nie ausgeliehen werden. So unter anderem die erste Fotografie der Welt, eine Landschaftsaufnahme, aufgenommen von Joseph Nicéphore Niépce im Jahr 1826.

Faszination der Sofortbild Fotografie

Faszination der Sofortbild Fotografie

Das NRW Forum Düsseldorf zeigt vom 26. Mai – 05. August 2012 die Geschichte des Polaroidfilms. Aus der weltweiten Polaroid Collection sind 500 Sofortbilder von allen Größen der Fotografie-Geschichte zu sehen, wie Ansel Adams, Nobuyoshi Araki, Ralph Gibson, Robert Mapplethorpe, Helmut Newton, Stephen Shore oder Oliviero Toscanis berühmtes Polaroid von Andy Warhol.
Trotz Insolvenz im Jahr 2008 lebt das Unternehmen Polaroid weiter. Die Restbestände an Kameras und Filmen befinden sich heute im Besitz der Wiener Firma Impossible.

Kodak – tragische Ironie der Geschichte

Kodak-Logo 1987-2006Wer den Namen Kodak hört, denkt sofort an Filme für Foto- und Filmkameras und eine lange Tradition. Es ist unfassbar, dass dieser Industrie-Pionier Mitte Januar 2012 Insolvenz anmelden musste! Die tragische Ironie der Geschichte beginnt im Jahr 1975. Steven J. Sasson, ein amerikanischer Ingenieur, entwickelt im Unternehmen Kodak die erste Digitalkamera. Diese Entwicklung wurde leider nicht weiterverfolgt, da man das Geschäft mit den Fotofilmen nicht gefährden wollte. Kodak verpasste mit dieser Entscheidung seine Chance mit diesem Innovationsvorsprung den nächsten Technologietrend vor der Konkurrenz zu nutzen. Das taten dann andere. Kodak konnte mit seinen Filmen die digitalen Anforderungen nicht mehr bedienen. Viel zu spät, erst Anfang der 90iger Jahre, versuchte das Unternehmen den Übergang in die Digitalfotografie, leider mit nicht ausreichendem Erfolg. Bis 2013 will sich das Unternehmen mit Gläubigerschutz saniert haben und seine Patente an einen meistbietenden Konkurrenten verkaufen. Damit soll ein Teil der ca. acht Milliarden Dollar Schulden getilgt werden. Egal wie sich die finanzielle Situation auch entwickeln wird, die Traditionsmarke Kodak wird es so nicht mehr geben.

Copyright © Fotokunst Galerie Ingrid Siano - Theme by Pexeto - Impressum